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Warum Essen als Statussymbol ein boomender Trend ist

Denkende Kopfzeile – Symbol für den Nahrungsstatus – groß

Warum Premium-Food in Krisenzeiten boomt

Die wirtschaftliche Lage ist derzeit angespannt. Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und ein unsicherer Arbeitsmarkt führen dazu, dass viele Konsumenten ihre Ausgaben überdenken müssen. Große Anschaffungen werden verschoben, Budgets überprüft, Warenkörbe optimiert.

Und doch zeichnet sich ein scheinbarer Widerspruch ab: Während die Menschen sparen, steigen die Umsätze in bestimmten Premium-Lebensmittelkategorien. Beispiele hierfür sind hochpreisige Schokolade, Matcha-Spezialitäten, ästhetisch ansprechend präsentierte Gewürze oder Designer-Smoothies.

Wie passt das zusammen?

Wenn Handtaschen, Reisen oder Autos außer Reichweite geraten, verlagert sich Luxus in kleinere, alltägliche Formate. Hochwertige Lebensmittel werden zum „erschwinglichen Luxus“; emotional aufgeladene, sozial sichtbare und wiederholbare Premium-Momente.

Ein Proteinshake für 11 € nach dem Pilates-Kurs oder ein Schokoriegel für 12 € sind objektiv gesehen teuer. Im Vergleich zu einer Reise oder einem Auto sind sie aber sofort und immer wieder erreichbar sowie psychologisch und finanziell kalkulierbar.

Der Lipstick-Effekt 2.0?

Dieses Phänomen ähnelt dem sogenannten „Lipstick-Effekt“: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigt der Absatz kleiner Luxusgüter, während große Investitionen zurückgehen.

Der „Lipstick-Effekt“ wurde erstmals in den USA zur Zeit der großen Depression (1929–1933) beobachtet, als der Absatz von Kosmetikprodukten um bis zu 25 Prozent anstieg, während der Gesamtkonsum stark einbrach.
Der Begriff „Lipstick Index“ wurde dann im Jahr 2001 von Leonard Lauder, dem damaligen Chairman von Estée Lauder geprägt, als die Lippenstiftverkäufe nach den Anschlägen vom 11. September um 11 Prozent stiegen, was er als Rezessionsindikator interpretierte.

Was Premium-Food bieten kann: einen Moment der Selbstbelohnung in einer Zeit des Verzichts, ein Gefühl von Kontrolle, wenn große Teile des Lebens unkontrollierbar sind oder auch soziale Sichtbarkeit im digitalen Raum, die stabilisiert.

Der Mechanismus ist bekannt, aber die Kategorie ist neu. Lippenstift war ein Trostpflaster. Premium-Food ist ein ritualisiertes Statussignal.

Essen wird ästhetisiert, inszeniert und fungiert als konsumierbares Statussymbol. Da der Konsum von Lebensmitteln täglich stattfindet, kann diese positive Alltagserfahrung regelmäßig wiederholt werden.

Der Lipstick-Effekt war Kompensation während Premium-Food zusätzlich eine Art Performance ist.

Was die Daten zeigen

Die Zahlen bestätigen diesen Trend. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) ging das Produktionsvolumen bei Schokoladenprodukten im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 6,9 % zurück, während der Umsatz leicht anstieg. Der Markt schrumpft mengenmäßig, wächst aber wertmäßig.

Lindt & Sprüngli erzielte trotz eines volatilen Marktumfelds ein starkes organisches Wachstum.
Der Luxury Report von Bain & Company (2025) zeigt zudem, dass Fine Dining resilienter performt als viele klassische Luxusgüterkategorien.

Dies ist kein Nischenphänomen, sondern ein struktureller Wandel in der Verbraucherpsychologie.

Was Marken jetzt falsch machen

Viele Marken reagieren auf Krisen mit dem gleichen Reflex: Sie rechtfertigen den Preis, heben den Nutzen hervor und betonen die Qualität. Doch das greift heute zu kurz. Denn wer Premium-Lebensmittel kauft, kauft keine Kalorien, sondern ein Selbstbild.

Drei strategische Implikationen

  1. Bedeutung ist wichtiger als Funktion. Die Zahlungsbereitschaft wird nicht durch bessere Zutaten bestimmt, sondern durch emotionale Relevanz. Marken, die ausschließlich die Produktqualität kommunizieren, unterliegen Marken, die eine bestimmte Haltung verkörpern.
  2. Inszenierung ist Pflicht, nicht Kür. Verpackung, Storytelling und die Attraktivität in den sozialen Medien sind mittlerweile Teil des Produkts selbst, und nicht mehr nur Teil der Vermarktung
  3. Essen ist Identität. Wer Premium-Lebensmittel konsumiert, sendet ein Signal über Werte, Ästhetik, Lebensentwurf. Marken, die das nicht verstehen, werden austauschbar.

Unser POV

Die Premiumisierung im Food-Bereich ist längst kein vorübergehender Krisentrend mehr. Sie ist die neue Normalität eines Konsumenten, der sich traditionelle Statussymbole nicht mehr leisten kann oder möchte und stattdessen den Alltag zur Bühne macht.

Für Marken stellt sich nicht mehr die Frage, ob sie im Premium-Segment mithalten können, sondern ob sie über die kulturelle Relevanz verfügen, die dieses Segment erfordert.

Wenn Sie besprechen möchten, wie sich diese Erkenntnisse auf Ihr Unternehmen anwenden lassen, wenden Sie sich bitte an unser Team.